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Aktuelle Publikation beschreibt Herausforderungen von Corona für Therapie opioidabhängiger Patienten

Mit den Herausforderungen und Auswirkungen der aktuellen SARS-CoV-2-Pandemie insbesondere für die Therapie der Opioidabhängigkeit in Deutschland befasst sich Thomas Poehlke vom Alexianer MVZ Münsterland GmbH, Münster, in der August-Ausgabe der Heroin Addiction & Related Clinical Problems (1). In seinem Überblick schildert er die Folgen und Veränderungen für die behandelnden Suchtmediziner*innen und ihre physisch und psychologisch verletzlichen Patienten im Verlauf des Jahres 2020. Geringere Verdienstmöglichkeiten aufgrund weniger Reisender und leerer Innenstädte sowie während des Lockdowns geschlossener Patientenorganisationen führten zeitweise zu einer Zunahme von Patienten in Opioidabhängigkeitstherapie. Neue Hygiene-Regeln mussten implementiert und die temporäre Anpassung der Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung (BtMVV) umgesetzt werden. In dieser Situation bietet Depot-Buprenorphin nach Angaben von Poehlke die Möglichkeit, das Infektionsrisiko zu reduzieren, da so für die Patienten das tägliche Pendeln zwischen Wohnung und Vergabestelle sowie die tägliche Präsenz in der Praxis wegfiele. Gleiches gelte für Strafanstalten, wo sich der therapiebedingte Transfer von Gefangenen und die illegale Weitergabe von Betäubungsmitteln durch das Depot ebenfalls reduzieren lasse.

Vulnerable Patienten

Zu den typischen Problemen von Menschen mit Opioidabhängigkeit während der Pandemie zählten laut Poehlke nicht nur fehlende Strukturen und mitunter fehlendes Einkommen. Diese Personengruppe sei auch besonders anfällig für und gefährdet durch COVID-19, da sie sich oftmals in einem schlechteren Gesundheitszustand befänden als die Allgemeinheit. Viele litten unter diversen Lungenerkrankungen, Herzerkrankungen, Bluthochdruck und Lebererkrankungen (2). Interessanterweise sei die Prävalenz von SARS-CoV-2 innerhalb dieser Patientengruppe deutlich niedriger als in der allgemeinen Bevölkerung. Es werde angenommen, so Poehlke, dass Patienten, die mit langwirksamen Opioiden behandelt werden, gegenüber Patienten, die mit kurzwirkenden Opioiden wie Morphium behandelt werden, eventuell von schützenden Effekten profitierten. Diese könnten von der bekannten Hustensuppressionscharakteristik über die Minderung von Entzündungsreaktionen bis zur Vorbeugung des Zytokinsturms reichen (3). Trotzdem sei die Mehrheit der Patienten, so Poehlke, täglich der Bedrohung durch eine mögliche Infektion ausgesetzt. Zum einen beim Aufenthalt in der Klinik oder Praxis, wo sie sich oftmals mit vielen anderen Patienten zusammen befänden, zum anderen während des täglichen Pendelns zwischen ihrem Zuhause und der Praxis oder Klinik.

Gesetzliche Regelungen

In seinem Übersichtsbeitrag geht Poehlke auch auf die Anpassungen der Betäubungsmittelverschreibungsverordnung (BtMVV) ein, die wegen der Pandemie vorgenommen wurden. Sie erlauben die überwachte Einnahme von Medikamenten in der Nähe des Wohnorts des Patienten, zum Beispiel in Apotheken. Erlaubt wird auch, die im Rahmen der Therapie der Opioidabhängigkeit verschriebenen Medikamente unter Aufsicht in Drogen- und Suchtberatungsstellen einzunehmen. Die Änderungen dienten dazu, auch nicht-medizinische Fachkräfte in die Vergabe mit einzubinden.

Des Weiteren erwähnt Poehlke die von der Deutschen Gesellschaft für Suchtmedizin e. V. (DGS) veröffentlichten Hinweise für die Behandlung von Menschen mit Opioidabhängigkeit während der Pandemie. Depot-Buprenorphin ist eine der von der DGS genannten Optionen, um auf die Herausforderungen der Pandemie zu reagieren. Die Empfehlung der DGS lautet diesbezüglich: „Verordnung von Buprenorphin als Depot (1-Woche- oder 4-Wochen-Depot) bei stabilen Buprenorphinpatienten als Umstellung, aber auch in Einzelfällen bei Neueinstellungen direkt von Heroin, sowie bei Patienten, die zu instabil für Take-Home-Regelungen sind, möglich.“

Zudem weist Poehlke auf die Notwendigkeit einer fortlaufenden Erfassung des Nutzens solcher Erleichterungen der Therapieoptionen und -bedingungen für die Patienten und ihren eigenverantwortlichen Umgang mit den Medikamenten hin.

Depot-Buprenorphin als Option zur Senkung des Infektionsrisikos

Häufig nutzten Patienten öffentliche Verkehrsmittel, speziell wenn sie aus ländlichen Regionen kämen. Dort seien oftmals keine Therapiemöglichkeiten für Patienten mit Opioidabhängigkeit vorhanden. Depot-Buprenorphin trage dazu bei, so führt Poehlke aus, das Infektionsrisiko signifikant zu reduzieren, da öffentliche Verkehrsmittel und die Anwesenheit in der Praxis, zusammen mit vielen anderen Patienten, vermieden werden könnten. Noch vorteilhafter sei die Depotgabe in Strafanstalten, da so der dort mit der Therapie verbundene Transfer von Gefangenen ebenso reduziert werden könnte, wie die illegale Weitergabe von Medikamenten.

Der vollständige Artikel kann nach Registrierung hier gelesen werden.

(1)   Poehlke T. (2021): Challenges and solutions for opioid dependence therapy during the SARS-CoV-2 pandemic in Germany Heroin Addict Relat Clin Probl: Published Ahead of Print August 30, 2021. (https://www.heroinaddictionrelatedclinicalproblems.org/harcp-archives-doi-articles.php)

(2)   Lambert D. (2020): Opioids and the Covid-19 Pandemic: Does Chronic Opioid Use or Misuse Increase Clinical Vulnerability? Br J Anaest: e382-e383.

(3)   Eagleton M., Stokes S., Fenton F., Keenan E. (2021): Does Opioid Substitution Treatment Have a Protective Effect on the Clinical Manifestations of Covid-19? Comment on Br J Anaesth 2020; 125: E382–3. Br J Anaest. 126(3): e114-e116.

Deutsche Gesellschaft Für Suchtmedizin (2020): Sars-Cov-2/Covid-19 Pandemie Und Substitutionstherapie.
(https://www.forum-substitutionspraxis.de/images/Download/PDF/Sars_DGS.pdf)