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Update Suchttherapie: Eine Fortbildung für Sozialarbeiter*innen

Am 15. Oktober veranstalteten die Deutsche Aidshilfe und akzept e.V. in Köln erstmals gemeinsam eine regionale Fortbildung für Mitarbeiter*innen in Aids- und Drogenhilfen. Unter dem Titel „Update Suchttherapie – Neues aus der Versorgung opioidabhängiger Patient*innen“ lieferten verschiedene Expert*innen ausführliche Einblicke hinsichtlich der Neuerungen und Veränderungen in den Bereichen Suchtmedizin, Betäubungsmittelverordnung und Psychosoziale Betreuung (PSB). Das von Camurus unterstützte, ganztägige Seminar bot zudem umfassend Gelegenheit für Fragen und für einen aktiven Austausch untereinander.

Großes Interesse an Fortbildung zum Thema Suchttherapie

Für die unter Corona-Bedingungen im Novotel Köln City stattfindende Veranstaltung hatten sich insgesamt 45 Mitarbeitende von Aids- und Drogenhilfen angemeldet. In den drei Bereichen Suchtmedizin, Recht und PSB erläuterten verschiedene Expert*innen Neuerungen und Anpassungen in Bezug auf die Versorgung opioidabhängiger Patient*innen. Jeweils eingeleitet von einer kurzen Umfrage, boten die einzelnen Themenbereiche neben einem einführenden Impulsvortrag zu den Neuerungen in dem Bereich auch ausreichend Raum für Fragen und einen ausführlichen Austausch mit den Vortragenden. Ein Angebot, welches von den Teilnehmer*innen ausgiebig genutzt wurde. Die sehr aktive Beteiligung belegte das große Interesse der Teilnehmenden an der Suchttherapie und den damit verbundenen Neuerungen und Anpassungen.

Umfassende Einblicke in die Therapie der Opioidabhängigkeit

Den Auftakt bildete Dr. Nazifa Qurishi, Gemeinschaftspraxis Gotenring in Köln, mit ihrer Vorstellung der verschiedenen Medikamente und ihrem Einsatz in der suchtmedizinischen Therapie. Auf sehr anschauliche Weise und gut verständlich erläuterte sie die verschiedenen Substanzen von Methadon bis zur Depotspritze, schilderte die Herausforderungen aus ihrer Sicht als behandelnde Ärztin und beantwortete die Fragen der Teilnehmer*innen. Neben einzelnen Verständnisfragen interessierten die Teilnehmer*innen vor allem Themen wie die Beziehung zwischen Patient*innen und Suchtmediziner*innen, die Umstellung von täglicher Gabe auf wöchentliche Verabreichung oder den Umgang mit Beikonsum während der suchtmedizinischen Behandlung. Wichtig für die Behandlung ist, so Frau Qurishi, das Gespräch zwischen Patient*in und Ärzt*in. Es dürfe nicht um Bestrafung gehen, sondern es gelte eine chronische Krankheit zu behandeln. Gerade bei der Dosisfindung gehe es darum, sich langsam heranzutasten. Angesprochen auf das Thema PSB, unterstrich die Suchtmedizinerin die Bedeutung derselben als Ergänzung zur suchtmedizinischen Behandlung der Opioidabhängigkeit. Zum Abschluss ihrer Ausführungen wies Frau Qurishi mit Nachdruck auf das Problem der stetig sinkenden Zahl von suchtmedizinisch tätigen Ärzt*innen hin. Der Fokus des Interesses in der anschließenden Diskussion lag vor allem auf der Bedeutung der Suchtmedizin in Bezug auf die Einstellung und Umstellung auf neue Medikamente, den Umgang mit opioidabhängigen Patient*innen und die Bedeutung der psychosozialen Betreuung. Aus dem Kreis der Teilnehmer*innen kam in diesem Zusammenhang der Hinweis, dass die Ursachen der Sucht zu wenig behandelt würden und die Schnittstelle zwischen Medizin und nicht-medizinischer Betreuung verbessert werden müsse.

Viele Änderungen sind noch nicht in der Praxis angekommen

In ihrem direkt an die Mittagspause anschließenden Update Recht präsentierten und erläuterten Dr. Silke Kuhn, Zentrum für Interdisziplinäre Suchtforschung, und Dirk Schäffer, Deutsche Aidshilfe, Neuerungen und Änderungen in Bezug auf die Betäubungsmittelverordnung (BtMVV). Bereits 2017 wurde die BtMVV geändert (3. BtMVVÄndV) und dennoch sind viele der Änderungen und Anpassungen vielen Behandelnden noch nicht ausreichend bekannt. Dies belegte auch eine kurze Umfrage unter den Teilnehmer*innen der Fortbildung. Nur knapp die Hälfte der Befragten kannten die Änderungen der 3. BtMVVÄndV. Auf die Frage nach der Umsetzung in der Praxis antworteten 14 von 20 Befragten mit eher nicht bis gar nicht. In ihrer gemeinsamen Session boten Dr. Silke Kuhn und Dirk Schäffer eine Übersicht der 2017 eingeführten Änderungen. Dazu gehören die Neubewertung der Abstinenz in Bezug auf das Ziel der Therapie, die Ausweitung der Vergabe durch Ärzt*innen ohne eine suchtmedizinische Qualifizierung (Konsiliarregelung) und die regelhafte Empfehlung der PSB in Verbindung mit einer suchtmedizinischen Therapie. Viele dieser Änderungen sind jedoch bis heute nicht vollständig in der Praxis angekommen. Dies bestätigten auch die Nachfragen und Kommentare der Teilnehmer*innen in diesem Abschnitt. Unterstrichen wurde dies durch die von Frau Dr. Kuhn und Herrn Schäffer vorgestellten Ergebnisse von Umfragen unter Patient*innen und Suchtmediziner*innen. Gleiches gilt auch für die im Rahmen der Pandemie eingeführten Veränderungen und Neuerungen.

Abstinenz ohne Zeitdruck

Die Ergebnisse einer Umfrage unter substituierenden Ärzt*innen zeigt sehr eindrucksvoll, dass nicht alle 2017 eingeführten Änderungen für die Behandelnden gleich relevant sind. So werden die Abstinenz ohne Zeitdruck, der mit zu behandelnde Beikonsum und die Ausweitung der Take-Home-Regelung als wichtig eingeordnet. Aspekte wie eine größere Rechtssicherheit oder die Entpflichtung der PSB spielen dagegen eine eher untergeordnete Rolle. Auffällig ist auch, dass zum Beispiel die Ausweitung der Konsiliarregelung nur von sehr wenigen Ärzt*innen genutzt wurde. Stattdessen wurden von den substituierenden Ärzt*innen viel häufiger Kooperationen mit wohnortnahen Apotheken gesucht. Auch bei den Patient*innen sind viele der Änderungen noch gar nicht bekannt bzw. angekommen. Wie eine Umfrage von JES unter insgesamt 240 Patient*innen ergab, waren die 2017 eingeführten Veränderungen 60 Prozent der Befragten noch nicht bekannt. Themen der an den Vortrag anschließenden Diskussion waren Finanzierungsprobleme von Drogenhilfeeinrichtung aufgrund gesunkener Klientenzahlen, der Mangel an Alternativen wie dem Methadonbus, der fehlenden finanziellen Vergütung der Vergabe durch die Drogenhilfe oder die zukünftige Finanzierung der PSB.

Mehr Vertrauen in die Patient*innen

In dem abschließenden Update PSB stellte Michael Wiese von der Drogenberatung Bielefeld einen sehr spannenden Ansatz vor, wie opioidabhängige Patient*innen in der Praxis bedarfsgerecht versorgt werden können. Durch die enge Verzahnung von Versorgung, Behandlung und Betreuung ermöglicht das „Bielefelder Modell“ eine optimale Versorgung Suchtkranker. Ein Ansatz, den die Bielefelder seit vielen Jahren sehr erfolgreich verfolgen. „Wir sind klein gestartet,“ so Michael Wiese, „haben aber inzwischen die Ermächtigung für 450 Klient*innen und sind zudem Clearing-Stelle für Bielefeld.“ Neben den kurzen Wegen sei es auch ganz wichtig, Vertrauen in die Patient*innen zu haben. Der Schlüssel zum Erfolg aber sei die konsequente räumliche und fachliche Zusammenarbeit von Medizin und Drogenberatung, wobei es immer darum gehe, dass sich die Patient*innen wohl fühlen würden und qualitativ hochwertig versorgt werden könnten. Basierend auf dem Prinzip der Zweigsprechstunde werden den behandelnden Mediziner*innen nicht nur voll ausgestattete Praxisräume angeboten, sondern auch der Wegfall vieler administrativer Aufgaben, die anderweitig übernommen würden. So können sich die Mediziner*innen ganz auf die Behandlung ihrer Patient*innen konzentrieren. Das Interesse seitens der Teilnehmer*innen konzentrierte sich vor allem auf die praktische Umsetzung und die bisherigen Erfahrungen mit diesem Ansatz. Für Michael Wiese ist dieses Modell prinzipiell auch in anderen Regionen möglich. Und auch in anderer Hinsicht scheint der Ansatz gut zu funktionieren. Bedenken seitens der Teilnehmer*innen hinsichtlich des Umgangs mit Hausverboten und der offenen Szene, konnte Wiese zerstreuen. So gebe es kaum Hausverbote und auch keine größeren Probleme mit der offenen Szene. Auch habe sich gezeigt, dass die teilnehmenden Suchtmediziner*innen durchweg gerne dort arbeiten würden. Damit ist dieses Modell ein vielversprechender Lösungsansatz zur Überbrückung der stetig wachsenden Versorgungslücke in der Suchtmedizin und zur Verbesserung der Versorgung opioidabhängiger Patient*innen. In Bielefeld habe man die Erfahrung gemacht, dass dadurch die Drogenberatung und die Medizin enger zusammenwüchsen, so Michael Wiese.

Auch die Teilnehmer*innen bewerten diesen Ansatz als durchaus vielversprechend, wie eine abschließende Umfrage zeigt. Von insgesamt 27 Befragten hielten 14 die Zusammenführung von Drogenhilfe und Suchtmedizin unter einem Dach für sinnvoll und immerhin 10 waren sich in der Bewertung noch unsicher. Nur drei Befragte meinten, dass Medizin und soziale Arbeit unabhängig voneinander erfolgen sollten. Und so konstatierte Dirk Schäffer zum Abschluss der Veranstaltung, dass das Bielefelder Modell durchaus eine Ergänzung zur Arztpraxis bilden könne.